Donnerstag, 5. Oktober 2017

Angekommen

Hey ho!
Nach drei Wochen in meinem Projekt kann ich mittlerweile wirklich sagen, dass ich angekommen bin.
Ich kenne meine Aufgaben, weiß immer besser, wie ich mit den Bewohnern umgehen kann und muss und mir werden immer mehr größere und kleinere Aufgaben übertragen und zugetraut.
So wird meine Arbeit mit der Zeit auch immer abwechslungsreicher, weil ich die Bewohner  mittlerweile auch zu einigen Hobbys und Ausflügen begleite.
Mit einer Bewohnerin, um die ich mich besonders kümmere gehe ich z.B Mittwochabends zum Chor, Freitagvormittags zum Reiten und bald auch jeden Dienstag zum Schwimmen.
Mittlerweile gibt es auch immer mehr von diesen kleinen Glücksmomenten, wenn ein Bewohner mich einfach so umarmt oder alle ganz begeistert "Helena" rufen wenn ich mal spontan die Werkstatt besuche.
In solchen Momenten merke ich immer wie sehr ich meine Arbeit hier liebe und wie viel mir die Arbeit mit den Menschen bedeutet. Außerdem frage ich mich dann jedes Mal, wie ich jemals Angst vor der Arbeit mit Menschen mit Behinderung haben konnte bzw. wie ich nervös davor sein konnte, weil die Arbeit einfach so viel Spaß macht und weil es einem die Bewohner so einfach machen sie zu mögen und sich in den Arbeitsalltag einzufinden.
Heute war ein besonderer Tag in Granly, weil wir den St. Mikaels Dag bzw. das Høstvest (Herbstfest) gefeiert haben.
Eine der Mitarbeiterinnen hat Hannah und mir das so erklärt: man dankt für das Gemüse des Herbstes, die Sonne und den Regen, die das Gemüse gedeihen lassen. Außerdem gedenkt man dem Engel Michael, der die Gaben zu den Menschen bringt.
Man versucht die Sonne an diesem Tag noch einmal für die kalten und grauen Tage einzufangen und sich durch das essen von heißer Gemüsesuppe für den Winter zu stärken.
Die Festivitäten begannen um 11:00 mit einer Theatervorführung der "Drama-Gruppe", die sich wöchentlich trifft und aus einigen der Bewohner und Mitarbeiter besteht.
Das Stück handelte von einem Drachen, der mehrere Menschen und eine Prinzessin gefangen genommen hat, am Ende aber von einem mutigen Ritter getötet wurde, sodass alle befreit werden konnten.
Das Stück sollte die Bedeutung des Høstvest widerspiegeln, in dem der Drache für die kalten Wintertage steht, der die Sonne und die guten Nahrungsmittel verschwinden lässt.
Es war unglaublich schön und süß die Bewohner schauspielern zu sehen, vor allem weil manche der Bewohner, die im Alltag eher zurückhaltend und langsam sind auf der Bühne auf einmal total aufgeblüht sind.
Im Anschluss folgte noch ein Teil, bei dem einer der Mitarbeiter immer ein Gemüse hochgehalten hat und die Bewohner sich dann melden konnten um zu sagen um was für ein Gemüse es sich handelt und was man daraus machen kann.
Danach haben dann alle zusammen im großen Speisesaal lunsj gegessen.
Es gab eine Gemüsesuppe und anschließend noch Kaffee und Kuchen...Hier vergeht kein Tag ohne eine ordentliche Kaffeepause!
Anschließend ging es dann für alle Bewohner nach draußen, wo die Mitarbeiter eine "Mutprobe" bestehend aus verschiedenen Stationen vorbereitet haben.
An der ersten Station konnten die Bewohner mit verbundenen Augen an einer Schnur entlanggehen, die an ,mehreren Bäumen befestigt war.
Danach ging es weiter durch einen dunklen Tunnel, der eine Brücke war über die eine schwarze Plane befestigt worden war.
An der dritten Station wartete eine Box auf die Bewohner, in die sie ohne zu schauen oder zu wissen was drin ist hineingreifen mussten.
An der letzten Station wartete dann eine als Ritter verkleidete Mitarbeiterin, die den Bewohnern in kleinen Gläsern "Drachenblut" des getöteten Drachens angeboten hat.
Das Drachenblut war eine Art blaugrüner Wackelpudding, der eigentlich ganz lecker schmeckte.
Ich fand es super süß, was die Mitarbeiter alles für die Bewohner vorbereitet haben und die Bewohner waren alle total aufgeregt und hatten nachher das tolle Gefühl über sich selbst hinausgewachsen zu sein, in dem sie mutig waren.
Meiner Meinung nach wurde das Høstvest in Granly total schön gefeiert und die Mitarbeiter haben sich wirklich viel für die Bewohner einfallen lassen um den Tag zu einem besonderen zu machen.
Ich bin wirklich so froh in Granly zu arbeiten und es ist immer wieder so inspirierend zu sehen mit wie viel Liebe und Zuwendung die Mitarbeiter mit den Bewohnern umgehen und arbeiten.
Ich kann wirklich nur jedem der überlegt ins Ausland zu gehen empfehlen zumindest darüber nachzudenken mit Menschen mit Behinderung zu arbeiten!
Bis ganz bald,
eure Helena



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